Neuer Artikel

Liebe Freunde… wie nun schon einige Male erwähnt, wird diese Seite hier zum Jahresende vom Netz gehen.

Neue Artikel, wie den nun frischen Bericht über das leavinghomefunktion – Projekt „Auf dem Landweg nach New York“ findet ihr hier:

http://www.mkruppe.de/leseproben/blog-auf-dem-landweg-nach-new-york/

neue Seite

Hallo Freunde, Neugierige, Interessierte und ZufallsbesucherInnen…

Ende des Jahres 2015,  also in wenigen Wochen geht diese Seite hier vom Netz.

M.Kruppe gibt es natürlich weiterhin online:

http://www.mkruppe.de

 

Ich freue mich, euch dort regelmäßig begrüßen zu dürfen

Auf dem Landweg nach New York – Etappe zwei – Teil VII

Liebe Freunde,

euch fällt auf, dass wir hier einen recht übersichtlichen Text haben, der rein gar nichts mit dem neuen Bericht zu tun hat und wundert euch vielleicht. Nein, ihr seid schon richtig, alles ist gut und ihr könnt gleich loslegen, zu lesen, wie es mit den Fünfen weitergeht.

Allerdings geht es nicht mehr, wie gewohnt, hier weiter, sondern auf meiner neuen Website http://www.mkruppe.de

Hier findet ihr unter dem Punkt Leseproben – Auf dem Landweg nach York zukünftig alle neuen Berichte. Die bereits verfassten habe ich zudem dort archiviert, sodass ihr -falls Bedarf besteht- dort auch die alten noch einmal nachlesen könnt.

Auch die Café Storys und Leseproben aus meinem jüngst veröffentlichten Buch „Lange Nächte in Tiflis“ könnt ihr dort lesen, das Buch selbst gar über den integrierten Shop direkt bei mir bestellen.

Langer Rede kurzer Sinn, lasst euch weiterleiten und klickt

hier, um zum Artikel zu gelangen

Auf dem Landweg nach New York – Etappe II Teil 6

Waghalsig ist geprahlt

Es ist nun schon eine Weile her, da der letzte Bericht online ging, und fast habe ich ein schlechtes Gewissen deswegen. Andererseits habe ich ja angekündigt, dass es von nun an notgedrungen etwas sporadischer werden wird, da die leavinghomefunktion – Leute sich jetzt in Gebieten befinden, in denen eben nicht überall W-Lan und Telefonempfang als Kommunikationsmittel zur Verfügung steht, kleinere Dörfer und größere Städte in weitem Abstand zueinander liegen und Internet- Cafés eher eine Seltenheit sind. Unvorstellbar beinahe, für uns Mitteleuropäer, nicht alle drei Minuten zum Smartphone zu greifen, um der ohnehin eher desinteressierten Gemeinde zu zeigen, was es gerade zum Mittag zu Essen gab, oder aktuelle Bilder des Stubentigers hochzuladen, die sich angeblich keiner ansieht, aber gefühlte 70% der User posten. Anyway, ich schweife ab.

Während wir die hochsommerliche Urlaubszeit zwischen Hitzerekord und Unwetter am Strand, in der Natur, im Schrebergarten und auf Balkonien verbringen, oder uns scheckig ärgern, weil die vierzehn Tage Freiheit mal wieder viel zu schnell vorbei gingen, fahren sich unsere fünf Freunde weiter in die Verzweiflung, die eine Konsequenz unendlich vieler Defekte und notwendiger Reparaturen ist. Lese ich die Notizen, die ich eben per Mail bekam, entsteht schnell der Eindruck, dass „Fahren“ kaum noch das richtige Wort ist, denn in jedem zweiten Abschnitt steht irgend ein neues technisches Defizit, das behoben werden muss.

Natürlich ist das Quatsch und freilich wird mehr gefahren, als repariert, aber es muss schon frustrierend sein, nicht einfach mal drei, vier, fünf Tage ohne Zwangsstopp auf dem russischen Traktor auf drei Rädern zu sitzen, den Fahrtwind zu genießen, die Landschaft zu genießen, das Vorankommen zu genießen, ohne die tickende Warnung im Hinterkopf, dass der Zeitplan wackelt.

Wir erinnern uns: beinahe auf die Minute erreichen die Fünf das Zwischenziel Grenze Russland – Kasachstan. Die Freude ist groß, denn keiner kennt dieses Land wirklich, die Landschaft ändert sich von jetzt auf gleich und die ersten Kamele kreuzen den Weg.

Es wäre inzwischen nicht mehr das leavinghomefunktion – Projekt, wenn alles reibungslos abliefe und wenn es nicht ein horribler Defekt wäre, der den Tross zum Anhalten zwingt, dann sind es andere Gründe. Naturgewalten zum Beispiel oder anfängliche Desorientierung auf einer neuen Etappe. Beides gleichzeitig kann auch vorkommen. Und es kommt vor. „Hier gibt es nicht nur eine Straße, sondern ein riesiges Labyrinth von Feldwegen.“ – beschreibt man die ersten Kilometer in dem europäisch – zentralasiatischen Binnenland zwischen dem Altai-Gebirge und dem Kaspischen Meer.

Und wo Feldwege sind und Regennässe, da ist auch Schlamm. Und wo Schlamm ist, besteht die Gefahr, sich festzufahren. Und Kaupo tut, was im Grunde klischeehaft zu einem solchen Trip gehört und noch unzählige Male passieren wird. Aber die Fünf wissen das, sind vorbereitet und so vergeht nicht all zu viel Zeit, den sprichwörtlichen Karren aus dem Dreck zu ziehen und sich aufzumachen nach Zabürün`e, einer kleinen Siedlung direkt am Kaspischen Meer, wo jeder Ural – Motorrad fährt. Hier wird das Vehikel sogar zum Angeln benutzt, denn man fährt damit direkt ins Wasser.

Und wo jeder Ural fährt, warten natürlich auch eine Menge Ersatzteile auf ihre solidarische Umlagerung. Sogar im Sand vergraben lassen sich kleine Schätze in Form von brauchbarem Material entdecken.

In kleinen Läden finden sich, direkt neben Zahnpasta und Waschmittel, Zylinderköpfe, Ventile, Bautenzüge und allerhand anderer notwendiger Kleinkram, womit sich das Team hocherfreut eindeckt, denn die nächsten Verschleiße kommen bestimmt.

Die Nacht“ – schreiben die Fünf „verbringen wir im Windschutz eines ausrangierten Holzbootes am Strand.“

Die Ural sollte, laut Konzept des Projektes, als Kommunikationsmittel dienen und dieses Vorhaben erweist sich immer wieder als weise Voraussicht einer vagen Hoffnung. Denn es gelingt auch hier in Kasachstan. Fünf junge, mutige Abenteuer aus Estland, Zypern und Deutschland auf fünf Ural Motorrädern erwecken Aufmerksamkeit und oft staunendes Wohlwollen. Jenes Wohlwollen, das Anne, Elisabeth, Johannes, Kaupo und Efy ein wundervolles Abendmahl beschert, als einige Bewohner der Siedlung am Boot erscheinen, gastfreundlich einen nicht eben kleinen Fisch überreichen und versuchen zu erklären, wie das mit dem Ausnehmen geht. Und ich sage an dieser Stelle nicht unabsichtlich, dass die freundlichen Leute „versuchen“, zu erklären, denn so richtig will es nicht gelingen, selbst Hand ans Abendbrot zu legen. „Trotz der kleinen Einweisung sind wir recht hilflos mit dem großen Brocken“ -lese ich und muss ein bisschen schmunzeln.

Am Ende ist es Kaupo, der den Fisch entschuppt und ausnimmt, was ein recht martialisches Bild gibt.

Nach einer windigen Nacht mit vollem Magen geht es am nächsten Tag weiter nach Atyrau, wo Efy zur belustigenden Verwunderung des Restes der Gruppe von einer Einheimischen in einem Restaurant gefragt wird, ob sie auf dem Klo heimlich getrunken hat. Was die Dame veranlasste, diese Frage zu stellen, bleibt ein Rätsel. Vielleicht gehen die Frauen dort ausschließlich auf die Toilette, um schnell mal einen Schluck aus dem Flachmann zu nehmen? Wir wissen es nicht.

Es ist an der Zeit, die kanadischen Visa zu beantragen und die kasachische Hafenstadt am Fluss Ural im Nordwesten des Landes bietet Gelegenheit dazu.

Eine Besonderheit von Atyrau ist die Tatsache, dass die Stadt zu einem Teil auf dem europäischen, zum anderen auf dem Asiatischen Kontinent liegt.

Auch hier verweilen die Damen und Herren des Projektes nicht lange und machen sich auf in Richtung Uralsk. Reibungslos? Fehlanzeige! Im stichpunktartigen Kurzbericht lese ich:

Unendliche technische Probleme an den Maschinen auf unendlich langen Straßen, die unendlich geradeaus gehen in unendlicher, flacher Landschaft.

Wie soll ich diesen herrlichen Satz umschreiben? Ich lasse ihn stehen, wie er steht, denn besser kann ichs auch nicht sagen.

Wir schreiben inzwischen den 29. April, als das Quintett in der westkasachischen Großstadt Oral (oder wie es im russischen heißt: Uralsk) ankommen, die im europäischen Teil des Landes liegt.

In der 230 000 Einwohner zählenden Stadt, die nur 30 Kilometer von Russland entfernt ist, lernen sie Andrej, Tamara, Viktor und Artjom mit seinem Raben namens Hitchcock kennen und verbringen wunderbare Tage in denen viel geschraubt wird, aber auch einen Paraplan-Flug als Erlebnis verbucht werden kann.

Paraplan nennt sich ein selbst zusammengeschustertes Fluggerät das zum Großteil -wie soll es anders sein- aus Ural-Teilen besteht. Nach anfänglichem Zögern lassen sich die Fünf überreden, selbst- und mitzufliegen. Einmal mehr bin ich froh, nur der schreibende Teil des Projektes zu sein, der von Außen, aus sicherer Entfernung berichtet und nicht, weil er kein Feigling sein will, derart waghalsige Unternehmungen mitmacht. Ich hätte mir die Hosen bis zum Stehkragen vollgemacht, aber ablehnen kommt natürlich nicht in Frage, denn wie gesagt, wer hier kneift, ist schnell der Loser der Truppe.

Stellt euch vor, ihr lernt ein paar coole Leute kennen, die verrückt genug sind, sich ein Fluggerät zu basteln. Stellt euch vor, diese coolen, verrückten Leute fliegen auch damit und führen euch das Teil vor. Stellt euch nun vor, sie laden euch ein, es selbst einmal zu probieren. Keine Chance, einfach wegzugehen mit der Ausrede: „Oh… ich hab ganz vergessen, dass ich noch mal zum Uhrmacher muss.“ oder „Hey, ich muss los, meine Omma kriegt n Zahn!“ …

Am Ende geht alles gut. Jeder darf mal, jeder macht mal und alle kommen wieder heil am Boden an.

Es wird gefeiert, es wird repariert und ersetzt, es wird geredet und besorgt, Ersatzteilkisten werden gefüllt bis es vier Tage später zurück auf die Straße geht. Aktobe ist das nächste Ziel. Wie das Team dort ankommt, ob überhaupt, wie die Motorräder auf schlechte Straßen und Feldwege reagieren, erfahrt ihr ganz bald im nächsten Teil.

>Bilder folgen<

Lange Nächte in Tiflis

Es ist soweit Freunde. Der -nicht ganz gewöhnliche- Bericht meiner Reise nach Georgien zum Jahreswechsel 2014/2015 ist ab sofort bei mir bestellbar, ab dem 1.8. 2015 auch im Handel erhältlich.

Tiflis_back

Einige von Euch haben hier ja regelmäßig verfolgt, wie es mir bei den Damen und Herren vom leavinghomefunktion – Projekt und deren wunderbaren Gästen erging. Natürlich habe ich die meisten Einträge aus dem Blog genommen, schließlich will ich meinem Verlag (Adakia-Gera… siehe Link unten) auch zeigen, dass es sich lohnt, einen wie mich im Programm zu haben.

Tiflis_front

Klappentext:

Georgien hat mir gezeigt, dass wir anders leben können,
dass wir anders leben sollten, um wieder das zu werden,
was wir waren: Menschen!
Georgien hat mir gezeigt, dass wir das können und
dass wir verstehen sollten, dass wir
eine Gemeinschaft sind, wir Menschen,
dass wir einander und nur einander haben.
Georgien hat mir einmal mehr gezeigt,
dass ich mit MEINER Lebzeit lieber selbst anfange,
was ich meine, damit anfangen zu müssen,
denn sie ist das einzige Besitztum in unserem Sein.
»Lange Nächte in Tiflis« – ein Buch über das Reisen.
Vor allem aber über das Ankommen.
Bei den Anderen und bei sich selbst

Ein großes DANKE an dieser Stelle an Albrecht Gliesing für die Gestaltung des Buchcovers.

Der nächste Bericht über unsere fünf Freunde steht im Übrigen in den Startlöchern. Ich warte derzeit nur noch auf die korrigierte und freigegebene Version.

Wer von Euch mal live erleben und hören will, was ich in Georgien so trieb, hat noch einige Gelegenheiten in den kommenden Tagen. Zusammen mit meinem Freund und Kollegen Benjamin Schmidt bin ich in Thüringen und Sachsen mit unserem Programm Sex&Drugs&Literatur unterwegs und lese, neben den „Geschichten vom Kaff der guten Hoffnung“ eben auch aus „Lange Nächte in Tiflis“:

Tour 2015

Das Buch ist ab dem 1.8.2015 im Handel und/oder hier bestellbar:

http://www.adakia-shop.de/

Ein Stück Scheiße –

oder: Abenteuer Hausmeister

Natürlich bin ich nicht nur Autor, sondern muss, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen, irgendwo schaffen gehen, um nicht ewig und drei Tage gegängelt zu werden, auch, wenn ich wie wohl jeder, gern von meiner „Kunst“ leben würde.

So verdinge ich mich seit einigen Monaten als Hausmeister in einer Jugendbildungsstätte. Und als Hausmeister in einer Jugendbildungsstätte erlebt man gar Einiges. Schon jetzt kann ich auf ein Potpourri verschiedenster Erlebnisse zurückblicken, die einen weniger erwähnenswert, wie schreiende Kids, die sich in Toilettenkabinen einschließen, aufgeregte Jungs, die, bevor sie ihre Zimmer überhaupt gesehen haben, schon mit der Belegungseinteilung beginnen und zwar in einer Lautstärke, dass das ganze Dorf bald weiß, dass Justin mit Thor Eric und Jason Lee in einem Raum schlafen, oder eben Mädchen, die selbst gemalte Zettel an ihre Türen kleben auf den so was steht wie: „No Boys!!!“ in denen dann -klar- die Sunny Boys der jeweiligen Gruppe sitzen und man kollektiv aufschreckt, fein sortiert in gemischte Zweiergruppen, zwischen chaotischen bergen von Klamotten und scheinbarem Unrat, den Sabber des Anderen noch an der Backe, wenn einer der Betreuer das Zimmer betritt.

Es ist viel los in so einer Jugendbildungsstätte und es gibt einiges Erwähnenswertes.

Zum Beispiel hielt mich neulich ein kleines Mädchen von vielleicht sieben, acht Jahren im Treppenhaus an, ob ich ihren Schuh aus der Dachrinne holen könnte. Die Kleine war völlig aufgelöst, zitterte und war den Tränen nah.

„Wie bitte kommt denn dein Schuh in die Dachrinne?“ fragte ich und konnte dabei ein amüsiertes Lächeln nicht verbergen.

„Naja,“ antwortete sie, „wir haben Schuhweitwurf gemacht und dabei ist meiner in der Dachrinne gelandet.“

„Schuhweitwurf? Ihr wolltet doch nicht wirklich eure Schuhe über das Dach werfen, oder?“

Sie begann zu schluchzen.

„Nein. Wir haben IM Zimmer Schuhweitwurf gemacht und dabei ist meiner irgendwie aus dem Fenster gefallen. Der war ganz neu, den hatte ich erst seit vier Tagen. Das ist die Princess (-sonstwie) – Sonderedition. Ich brauch den Schuh wieder, der war teuer.“

Aus dem Fenster GEFALLEN. Schuhweitwurf IN einem Zimmer, das nicht einmal acht mal sechs Meter misst, Schuhweitwurf zu machen, ist nun nicht unbedingt ein Zeugnis von Leistung, fand ich. Irgend etwas stimmte an der Story nicht.

Dennoch:

Das fast herzzerreißende Wimmern konnte mich nicht davon abbringen, erst einmal zu lachen. Nennen wir es die Pädagogik der Schadenfreude. Wer den Spott hat… ihr wisst schon.

Schnell jedoch mischte sich Mitleid zwischen die lachenden Fragezeichen in meinem Kopf und ich sah mir die „Baustelle“ etwas näher an.

Zweiter Stock, unter dem eigentlichen Dach. Von den schrägen Fenstern geht ein Zwischendach ab und der blaue Princess Schuh, das corpus delicti sozusagen, lag nicht wie ich hoffte, im Schneefang, sondern tatsächlich in der dahinter befindlichen Dachrinne.

Den Versuch, mit der längsten mir zur Verfügung stehenden Leiter brach ich schnell ab, als ich merkte, dass diese viel zu kurz ist und so schraubte ich einige Dachlatten zusammen, befestigte an einem Ende eine weitere Leiste als Haken, ging zurück ins Zimmer, das Sportfeld der Weitwurf-Kreismeisterschaft, balancierte das Gelatt nach draußen und ließ mich von einem Kollegen, der am Fenster im Bau nebenan stand, dirigieren. Etwas weiter links, etwas weiter rechts, jetzt… ah… vorbei, nochmal… und so weiter, bis ich den Galgenstrick der blauen Prinzessin am Haken hatte, als sich endlich der Schnürsenkel über denselben stülpte. Nun war es ein Kinderspiel.

Unten im Hof starrten mich sechzig aufgeregte Augenpaare an, die in einen tosenden Applaus einstimmten, als das hochgeschätzte Einzel eines teuren Paares zu Boden fiel. Ich zog mein Werkzeug ein und lief nach unten, wo ich heldengleich durch die Masse schritt, meinen Ruhm und die Freudentränen des kleinen Mädchens genoss, während ihr Lehrer abschätzig sagte: Ich hätte ihn da gelassen. Selber schuld, wenn die so einen Blödsinn machen!“

Ein weiteres Highlight im Leben eines Hausmeisters ist die Summe aus Kindern und sanitären Anlagen. Kaum eine Gruppe geht, ohne verstopfte WCs und Urinale zu hinterlassen und die Reinigung zu einem ekelerregenden Abenteuer zu machen. Ein Fall für den Allrounder.

Ein mit Toilettenpapier verstopftes Urinal unter dem ein mit weiteren Papierfetzen aus dem Handtuchspender vollgestopfter Eimer steht, randvoll mit einem stinkendem Pisse-Wasser-Gemisch ist nur ein Beispiel für die Zweckentfremdung ohne erkennbaren Grund.

Ich meine, warum tut man sowas? Was genau hatten die Kerle vor? Weshalb zum Geier verstopft man vorsätzlich ein Scheißhaus? Ich kann es mir beim besten Willen nicht erklären, selbst, wenn ich die altersbedingte Vernunft einmal ausblende und mich ins Jungensalter zurück versetze.

Die Krönung aller bisherigen Verstopfungsgründe, derer es einige gab, war jedoch nicht Klopapier oder Stifte, oder Reste eines zerschnittenen T Shirts, nicht Tampons oder Binden oder weiß der Fuchs was die Experimentierfreudigkeit eines U14 Angehörigen alles vorgibt, einen WC Abfluss seiner Aufgabe zu entheben, sondern ein Anblick, der mir zunächst selbst beinahe Schmerzen in der Vorstellung zufügte.

Es war im Frühjahr, wir hatten zwei erste Klassen auf Jugendherbergsfahrt im Haus. Knöpfe also, kleine Jungs und Mädchen, unschuldige Wesen von höchstens acht Jahren.

Das sind meist Gruppen, bei denen nicht viel kaputt geht. Hin und wieder sind Waschbecken mit dem Inhalt mehrerer Zahnpastatuben neu gestaltet, so dass man dem Ganzen mit einer Spachtel bei gehen muss, um die Ursprünglichkeit wieder herzustellen.

Ich hatte auch schon mit Kaugummi verklebte Lichtschalter und Steckdosen. Auch hier fiel mir nicht recht der Grund dahinter ein, weswegen ich es dann einfach auf frühreife Suizidalität zurückführte und mich fragte, was nur aus dem guten alten Pulsadernaufschneiden, oder dem Aufhängen geworden ist. Aber vielleicht hat ja die Mode der Erlebnisorientierung inzwischen auch ihren Einzug in den Selbstmord gehalten.

Zurück zum Eigentlichen:

Ich kam also am Morgen der Abreise besagter Gruppe zur Arbeit und das Grußwort meiner Chefin ließ das gezwungene Lächeln in meinem Gesicht schnell verschwinden: „Du musst mal in die erste Etage, das mittlere öffentliche Klo, da ist… ähm… schau’s dir am Besten selber an.“

Sie schüttelte sich, ihre Mimik sprach Bände und ich meine zum ersten Mal in meinem Leben der Entstehung zweier Ekelgrieben im Zeitraffer beigewohnt zu haben, die innerhalb kürzester Zeit zu enormer Größe anwuchsen.

Enorm groß war auch das, was mich da feist aus der Keramik angrinste. Eine unfassbar riesige, schwarzbraune Wurst stach da aus dem Abflussknick nach oben durch die Wasseroberfläche. Vom Durchmesser her mindestens so dick wie das Handgelenk eines normal figurlichen Mittdreißgers, die Länge bemaß sich auf die Hälfte meiner Elle. Und das war nur der sichtbare Teil. So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen.

Bevor der Ekel mich ergriff, machte sich Mitleid breit. Wie gesagt: Belegt war dieser Trakt des Hauses mit zwei ersten Klassen, maximales Alter acht Jahre, vielleicht neun, falls da der ein oder andere Sitzenbleiber dabei war. Ein Lehrer oder Betreuer konnte DAS nicht fabriziert haben, die waren in einem anderen Gebäudeteil untergebracht.

Stell dir nun also diesen armen, kleinen Jungen vor, dem die ausschließlich vegetarische Kost bei uns nicht so bekam, der zusätzlich vielleicht noch ein Heimscheißer war und hoffte, es bis zu Hause ohne zu scheißen auszuhalten, dem aber am allerletzten Tag der Lehm so drückt, dass die Gefahr besteht, sich bald die Hosen bis zum Stehkragen vollzuscheißen. Er wagt es schließlich doch, erleichternd die Toilette voll und den Darm leer zu machen. Erleichterung war DAS aber ganz sicher nicht.

Dieser kleine Junge schleicht sich nachts aus dem Zimmer, weil er es einfach nicht mehr aushält, so geräuscharm wie möglich den schon schmerzenden Kupferbolzen los zu werden…

Mein erster Gedanke, als ich dieses Riesenteil da quer im Becken verkeilt liegen sah:

„Das arme Kind! Das muss doch weh getan haben!? Der muss doch bestimmt genäht werden!?“

Ob er geschrien hat beim Kacken weiß ich nicht, aber geräuscharm war DAS mit Sicherheit nicht.

Auch das Klatschen dieses Mordskerls ins Wasser muss eine Fontäne ausgelöst haben.

Vor dem Klo eine riesige Pfütze. Wahrscheinlicher aber ist, dass er mehrfach versuchte zu spülen um sich dann panisch und schamesrot vom Acker zu machen.

Und an mir blieb nun die Beseitigung hängen. Der Tag war gelaufen. Ich suchte mir einen passenden Stock in der näheren Umgebung der Bildungsstätte, kehrte zum stinkenden Ort des Geschehens zurück und versuchte, diesen 10 cm dicken und mindestens doppelt so langen Haufen mittels stochern zum Abhauen zu bewegen. Doch das Teil war nicht nur riesengroß, sondern auch noch steinhart. Dazu stank es barbarisch nach Verwesung. Mit etwas Kraftaufwand und abgewandtem Gesicht, der freien Hand vor Mund und Nase, den Kotzdrang unterdrückend konnte ich diesen Atzen von Wochenschiss dann endlich zerstückeln, so dass er nach und nach seinen Weg in die Kanalisation fand.

Hausmeister… ein aufregender Job, abwechslungsreich und abenteuerlich. Und jetzt frag mich bitte nicht, ob ich das gern mache…. ich… machs halt… und sicher war DAS hier nicht der letzte Text darüber…